Auszüge aus Stephan Bruckmeiers Tagebuch zu seinem ersten Nairobi-Aufenthalt

7. April 2009
Das Gesicht Afrikas ist dem europäischen ähnlicher als man vermuten würde, aber es ist nicht geschminkt. Es ist extremer, offener, offensichtlicher, archaischer, altmodischer und moderner, grober, unverschnörkelter, aber es ist nur ein anderer Blick. In Afrika werden andere Objektive vors Auge geschnallt, aber es ist nichts grundsätzlich anderes zu beobachten oder festzustellen, die Absurdität des Ganzen wird nur deutlicher.

24. April 2009
Nach der Wanderung durch Korrogocho, die sich mir anders eingeprägt hat als vor zwei Wochen, trinke ich mit Patrick noch unseren traditionellen Nachmittagskaffee. „Diese Theaterarbeit ist schon deswegen so wichtig“ sagte er, „weil sie viele Jugendliche von der Straße wegholt, ihnen eine Aufgabe gibt, an der sie wachsen können und ihnen eine erweiterte Weltsicht bietet, die sie offener und aktiver machen kann.“ Wie wahr! Joshua Sobol hatte mit einem Palästinenser gemeinsam ein Israelisch-Palästinensisches Theater geleitet. Mit großem Erfolg. Dem Theater wurden die Subventionen gestrichen, da die Israelische Regierung nicht wollte, dass in der Öffentlichkeit deutlich wird, dass die beiden Völker eigentlich auch zusammen leben könnten. – Wir leben in einer seltsamen Welt!

7. Mai 2009
Die Probe verlief sehr gut. Die Arbeit mit den Kindern bringt immer mehr Freude, meine Idee, ein Stück von und mit Slumkindern auf die Bühne zu bringen, wächst. Kein Kitsch von armen Kindern, sondern Geschichten in einer Bühnensprache, die den Zeichnungen entspricht, die ich zu Beginn gesehen hatte. Mit der Deutlichkeit von Kindern und ihren Chiffren.

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