(EIN) KÄTHCHEN.TRAUM

Uraufführung
Von Gernot Plass
Frei nach „Das Käthchen von Heilbronn“ von Heinrich von Kleist

Mi 22.2.2017, 20.00 Premiere

Ich will meine Muttersprache durchblättern und das ganze reiche Kapitel, das die Überschrift führt: Empfindung, dergestalt plündern, das kein Reimschmied mehr auf eine neue Art soll sagen können: ich bin betrübt.
Kleist

Würde man mit hartem, aufgeklärtem Blick lesen, dann wäre „Das Käthchen von Heilbronn“ von Kleist üble, romantisierende Propaganda. Dieser Text steht im Verdacht, die Vorstellung von der Vorbestimmtheit der großen Liebe des Lebens durch den Ratschluss der Engel in Millionen Köpfe empfindsamer deutscher Bürgerkinder gesenkt zu haben. Heinrich von Kleist wäre nach diesen Maßstäben als ein Verrückter einzuordnen. Seine konsequente Haltung, den Somnambulismus metaphysisch zu deuten, sein brüllendes Verlangen nach Intensität der Liebesbeziehung, nach Steigerung, Überhöhung, Übertreibung ließ ihn nicht nur derlei Dramen verfassen, sondern trieb ihn letztlich in den Selbstmord.
Was vorliegt, ist ein Märchen, in dessen Fortgang Cherubime walten, Nebenbuhlerinnen zu technisch aggregierten Monstern stilisiert werden, deutsche Kaiser ex machina emergieren, eigene Verfehlungen eingestehen und ein rechtschaffenes Mägdlein emporheben, das sich, im Bezug auf die ihr geraunten Prophezeiungen, nicht und nicht beirren lässt, bis ihr nichts mehr fehlt zum höchsten Glück: die Heirat mit dem ihr vorherbestimmten „Märchenprinz“ samt Erhebung in den Adelstand ganz nebenbei.
Aber auch eine frühe Erkundung in die später entdeckte und als „das Unbewusste“ bezeichnete Nachtseite menschlicher Seelenökonomie.

So weit, so „modern“. Wie dem beispringen? Heute? Sollte man das verteidigen? Sind wir nicht alle verborgene RomantikerInnen? Gernot Plass versucht eine Neudeutung und Überschreibung dieses dramatischen Filetstücks deutscher Ritter-Romantik und führt die Handlung zunächst über eine mafiöse Groteske in einen nervenzerfetzenden Psychothriller, um sie in eine kafkaeske Höllenfahrt fortzutreiben, bis er sich schließlich mit der Romantik in nächster Ordnung wieder versöhnt. Love is in the air! Taschentücher mitnehmen.

Es spielen Alexander Braunshör, Jens Claßen, Sven Kaschte, Nancy Mensah-Offei, Raphael Nicholas, Georg Schubert, Elisabeth Veit

Text und Regie Gernot Plass
Ausstattung Alexandra Burgstaller
Regieassistenz Renate Vavera
Licht Hans Egger