Königreich für einen Pressesprecher

Gernot Plass’ “Hamlet”-Neufassung überzeugt im TAG durch intelligent eingesetzten Humor und aufwendige Dramaturgie

Wien – Macht, Rache, Eifersucht. Die Handlungsmotive in Shakespeares Hamlet haben ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren, das Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Stoff ist ungebrochen. Gernot Plass ist es gelungen, auf dem Grundgerüst des Originals eine neue Fassung zu schreiben, die die Tragödie in die Gegenwart holt und dabei das Original weder missachtet, noch heroisiert.

Regisseur Plass selbst beschreibt sein Tun als “komplette Neuschreibung. Aufschneidung des Textkörpers, Explifikation und Aufdröselung der semantischen Einheiten, Entfernung des Nichtbrauchbaren und Kopieren von Nützlichem in einen völlig neuen Sprachmantel”.

Dieser Sprachmantel besteht aus klug eingesetzten Anspielungen (die Mützen der Wachposten sind “gut gegen Nordwind”) und Modernisierungen, die humorvoll, aber nicht übertrieben parodistisch wirken. Hamlets Vater stirbt offiziell durch qualitativ minderwertiges Importfleisch, der Hofstaat trägt Anzug und Claudius braucht nach dem Tod seines obersten Beamten Polonius vor allem PR: “Mein Königreich für einen guten Pressesprecher.”

Das Bühnenbild (Alexander Burgstaller) erinnert mit schwarzen Wänden und weißem Boden nicht nur farblich an ein Schachbrett, auch die Darsteller (Gottfried Neuner als Hamlet, Horst Heiss als Claudius, Maya Henselek als Ophelia) wirken wie Schachfiguren, die in eckigen Bewegungen über ein Feld ziehen.

Kostüme, Choreografie und Bühnenbild verfremden den Handlungsraum – die Zeit, in der Plass’ Hamlet spielt, ist nicht festgelegt. Machtverhältnisse und Figurenkonstellationen werden durch Körperhaltungen und Figurenpositionierung verdeutlicht wie auch das große Sterben am Schluss, bei dem einer nach dem anderen den Kopf senkt.

Neben der aufwendigen Dramaturgie (Isabelle Uhl) sorgen auch die schnell geführten Dialoge für Dynamik und das Vorantreiben der Handlung. Zudem unterstreicht Plass die erfrischend menschlichen Züge seiner Hamlet -Figuren: Es wird geflucht, gelästert und gebrüllt. Die sparsam eingesetzte Musik betont bestimmte Schlüsselstellen im Stück und baut, etwa als Claudius den Mord an Hamlet plant (“Jetzt muss etwas gescheh’n” ), zusätzlich Spannung auf.

Dieser Hamlet im TAG (Theater an der Gumpendorfer Straße) bringt durch gezielt, zugleich wohldosiert eingesetzten Humor zum Lachen, hält aber in der stimmigen Inszenierung die Balance zwischen Satire und Dramatik.

Elisabeth Magesacher, Der Standard