“Diese ‘Fledermaus’ gehörte jahraus, jahrein gespielt. Vielleicht auch einmal vom ORF? Wo nur sind die Kunst-Stücke” geblieben?” Hermes Phettberg, Falter

Der Flug ins Freie
Zum Jahreswechsel gibt es mit der Fledermaus immer das Gleiche zu hören. In Fledermaus returns! im Theater an der Gumpendorfer Straße ist alles anders: Die Musik von Johann Strauß Sohn ist nur rudimentär präsent, stattdessen bieten Komponist Oskar Aichinger und seine Sidemen Paul Skrepek, Martin Zrost und W. Vincenz Wizlsperger eine irre, großartige, offene, tiefenentspannte Melange aus allem Klingenden, also aus Schlagern, die in Free-Jazz-Improvisationsflächen auslaufen, aus Funk, aus Lateinamerikanischem u. v. m. Die Musiker stehen den (singenden) Akteuren im souverän eingedampften Handlungsverlauf (Fassung/Inszenierung: Elisabeth Gabriel) auch schauspielend zur Seite – so ist Aichinger ein dankenswert lethargischer Orlowsky, und bei Wizlspergers genialem Frosch ahnt man, dass man sich von nun an ein Musikbeschreibkraftleben lang nach diesem sehnen wird, unbefriedigt erweise. Weitere Highlights: Johanna Orsini-Rosenbergs schiache, dürre Rosalinde; und Liese Lyon verleiht der Figur der Adele eine bemerkenswerte Weite. Vorschlag: So die ganz große Krise kommt, soll man diese Version doch bitte die nächsten zehn Silvester an der Staatsoper spielen – kost’ fast nix. Und dann am Neujahrskonzert im Musikverein bitte gleich noch mal.“ Der Standard

Ausnüchtern mit der Fledermaus
Was bleibt von einer Operette wie der „Fledermaus” von Johann Strauß übrig, wenn man ihr die lieblichen Melodien wegnimmt? Mehr, als man vermuten würde – sofern jemand wie Komponist Oskar Aichinger mit viel Einfallsreichtum und Gespür die Handlung, die sonst ein wenig hinter dem Melodienreigen versteckt ist, auf ihren Kern reduziert.
Mit „Fledermaus returns” bringt das Theater an der Gumpendorfer Straße das passende Stück zum kulturellen Ausnüchtern nach der alljährlichen Silvesternostalgie: Vier Darsteller und vier Musiker, die ebenfalls die eine oder andere schauspielerische Rolle übernehmen, zeigen die bekannte Geschichte der rauschenden Ballnacht, die im Gefängnis ihren komödiantischen Ausklang findet, als das, was eigentlich dahintersteht: ein Sittenbild voll Lügen, Untreue und ausuferndem Rauschmittelkonsum. Anders als Strauß deckt Aichinger die unschönen zwischenmenschliche Facetten der „Fledermaus” jedoch nicht mit Walzerseligkeit zu, sondern legt sie mit jazzigen – teilweise auch expressionistischen – Klängen gnadenlos offen.
Anders, aber mit Humor
Das Ergebnis ist paradoxerweise nicht minder humorvoll als das Original: Aichinger spielt gekonnt mit der Bekanntheit gerade dieser Operette. Er baut immer wieder musikalische Zitate ein und spinnt die Klischees und Besonderheiten des Strauß-Werkes weiter. Es gelingt ihm – dank der dabei erreichten musikalischen Qualität – sich über die „Fledermaus” und ihren Kultstatus lustig zu machen, ohne sie jedoch zu verhöhnen oder abzuwerten.
Die Darsteller Helmut Bohatsch Eisenstein, Johanna Orsini-Rosenberg Rosalinde, Liese Lyon Adele und Horst Heiss Gefängnisdirektor Frank tragen in der Inszenierung von Elisabeth Gabriel das Ihre zu einer gelungenen Aufführung bei. Tragfähig wird das Ganze aber naturgemäß durch die Musiker: Martin Zrost, Paul Skrepek, Wolfgang Wizlsperger und Komponist Aichinger, der selbst – unter anderem – in die Klaviertasten greift, wechseln zwischen mehreren Instrumenten, was ein breites Spektrum an Klangkonstellationen eröffnet. Anfängliche Probleme bei der Lautstärkenabstimmung zwischen Combo und Schauspielern wurden nach und nach überwunden.
Bemerkenswert ist Wizlspergers Persiflage auf den Gerichtsdiener „Frosch”, der in einer „Fledermaus” natürlich nicht fehlen darf: Wer immer schon mehr darüber erfahren wollte, wie Friedrich Schiller unter Mithilfe einer Klaviersaite und einer Orgelpfeife aus dem Leben schied, kommt hier voll auf seine Kosten.”
Wertung: 4 von 5 Sternen Stefan Melichar, Wiener Zeitung

„Viel Geflatter mit Biss in Damtschach. Schräge Töne, coole Persiflage, herrliche Blödelei: Die Operettenseligkeit wird von ‚Fledermaus returns’ lustvoll gebissen … Vier Musiker, vier Schauspieler, singende Schauspieler und schauspielernde Musiker sinds insgesamt. Wie eine Fledermaus-Session in einem mit Trödel vollgestellten Live-Musik-Lokal beginnt die ‚Band’ – und diese Atmosphäre hält sich. Eine Jazz-, Rap-, Funk-, Free-Pawlatschn – wenn man so will… Herrlich schräg und gscheit persifliert, hinreißend (auch schräg) gesungen und performt: Bravo für Helmut Bohatsch, Johanna Orsini-Rosenberg, Liese Lyonn, Horst Heiss, Oskar Aichinger, W. Vincenz Wizlsperger, Paul Skrepek und Martin Zrost. Mehr solches!“ Neue Kärntner Tageszeitung

„Die „Fledermaus“ ist ein nationales Heiligtum. Ein Komponist, der sie angreifen und verändern will, kann sich dabei schnell die Finger verbrennen. ‚Man darf mich hinterher auch prügeln’, meinte Aichinger. Eines gleich vorweg: Verprügelt wurde er nicht! Mit jazzigen Anklängen und postmoderner Rhythmik war es ihm gelungen, die Elemente der Strauß-Musik mit geläufigen Melodien zu verknüpfen. ... Das Publikum… hatte seinen Spaß an persönlichen Tragödien und amourösen Verwicklungen, die als humorvolle Musikpersiflage ins Ohr flatterten. ... Bei der ‚zurückgekehrten’ Feldermaus lieferte das hervorragende Ensemble eine flotte Darbietung… Jubel.“ Kronen Zeitung

„Ein 75 Minuten-Spaß!“ Kleine Zeitung