Kein Kinovisionär ohne unverfilmtes Hauptwerk: Für „Die Reise des G. Mastorna” stand 1967 schon alles bereit, als Federico Fellini das Projekt plötzlich abblies. Das unrealisierte Skript ist Grundlage für einen Abend des Regieduos Favouriteplays. In „Fellini Paradiso” gibt Gottfried Neuner zugleich den Cellisten und Durchschnittssünder Mastorna, der nach einem Flugzeugabsturz durch eine irreale Metropole stapft, und Fellini selbst, dem seine Schöpfung ungesund nahe geht. Den Cocktail aus CG. Jung und Hieronymus Bosch, Beichtstuhl und Wanderzirkus, der für Fellini ab Mitte der 60er typisch war, kriegt das vierköpfige Ensemble erstaunlich überzeugend hin, und-im Gegensatz zu manchem späten Fellini – mit 80 Minuten gnädig kompakt.
Joachim Schätz, Falter

Aus dem Stoff hätte man mehr machen können. Ein klassischer Fall, wo das G’schichtl besser ist, als die Geschichte selber. Und die Theatergruppe favouriteplays hatte ja angekündigt, beide zu verknüpfen.
Im Wiener TAG zeigte sie „Fellini Paradiso”, eine Farce über des Regiegenies nie verfilmtes Drehbuch „Die Reise des G. Mastorno”. Es wäre seine beste Arbeit geworden, glaubte Fellini, doch dann: Kam mir der Verdacht, der Film sei im Begriff, mich zu töten.”
Die Fakten: 1967 warf Fellini das Projekt nach eineinhalb Jahren Vorbereitung entnervt hin. Produzent Dino De Laurentiis klagte ihn auf 3,5 Millionen Euro Schadenersatz und erwirkte einen Pfändungsbeschluss.
Die Fiktion: Violoncellist G. Mastorna sitzt in einem Flieger, der notlandet.
Der Musiker findet sich in einer kafkaesk-alfredkubinischen Kleinstadt wieder, aus der es kein Entrinnen gibt. Weil er tot ist.
Dies darzustellen gelingt. Gottfried Neuner ist ein guter Mastorna, halb wahnsinnig mit Gott rechtend: Dein Paradies ist ein schäbiges Variete! Julian Loidl gibt von Portier bis Polizeichef alle Ungustln darin. Petra Strasser und Agnieszka Wellenger lassen mit blauem Muttergottesumhang und Wandergitarre ahnen, dass hinterm Travestiealbtraum „Bedeutendes” steckt.
Neuner soll aber auch Kennzeichen: roter Schal Fellini sein. Und dessen Scheitern, der Kampf des Filmemachers gegen den Filmtycoon, der ganze Witz am Wahnsinn also kommt nicht vor.
(Kurier-Wertung: 3 von 5 Punkten)
Michaela Mottinger, Kurier