zurück

Gedanken zum Stück und zur Inszenierung von Regisseur Karim Cherif

„The Sunshine Play“ ist Ihre erste Inszenierung. Bisher arbeiteten Sie als Schauspieler u.a. am Burgtheater und für Filme. Wie kam es zu diesem Schritt?
Karim Cherif: Ich mache diese Inszenierung eigentlich auch aus einem gewissen Frust heraus, weil ich das Stück schon sehr gut kenne und es immer toll fand und gerne spielen wollte. Ich habe auch damals, als ich am Burgtheater war, oft versucht, das Stück in die Dramaturgie-Abteilung zu bugsieren. Es hat aber auch dort leider nie den Schreibtisch verlassen.
Ich fand die Rollen so heutig und schön zu spielen. Ich konnte aber keinen Regisseur finden, der es machen wollte. Dabei hatte ich es bestimmt schon 25 Mal ausgedruckt, bevor Hans Escher von den WIENER WORTSTAETTEN dann gesagt hatte – als ich es ihm als Regisseur vorschlug –, dass ich das doch selbst machen solle, wenn ich schon soviel darüber nachgedacht hätte. Ich hab mir das durch den Kopf gehen lassen und stellte mir vor, dass ich als Schauspieler dabei wäre. Aber ich wäre für jeden Regisseur unerträglich gewesen, weil ich so ein Fan bin. Das wollten wir uns ersparen und daher habe ich die Regie übernommen.

„The Sunshine Play“ spielt sich auf dem Dach eines Nachtclubs ab. Drei Personen finden sich dort in unterschiedlichen Konstellationen.
Für mich stehen die zwischenmenschlichen, also die ganz privaten Probleme im Vordergrund. Alle drei Personen sind um die 30 und haben die alterstypische Krise. Wo steh ich gerade? Wo will ich hin? Wo komm ich her? Will ich mich binden? Will ich heiraten oder nicht? Kommt da noch was Besseres? War’s das jetzt schon? Hab ich meinen Zenit erreicht? Geht’s jetzt nur noch bergab? Und das alles kondensiert auf eineinhalb Stunden, auf dem Dach eines Nachtclubs. Die Situation ist als Kontrast angelegt: Unten, im Club, findet das pulsierende Leben statt, oben wird sinniert.
Die Thematik entsprach auch meiner persönlichen Situation: Mein erstes Lesen fiel damit zusammen, dass meine Freundin schwanger wurde. Und da stellten sich dann auch mir die erwähnten Fragen. Und jetzt, drei-vier Jahre später, wo ich Vater zweier Kinder bin, stellte ich mir die Frage, ob das Stück für mich persönlich immer noch aktuell ist. Ja, die Fragen stellen sich immer noch. Es ist nicht tagesaktuell, sondern allgemein aktuell.

Worum geht es in „The Sunshine Play“?
Es ist eine private, kleine Dialog-Geschichte, wie ein Surrogat. Kurz gesagt: Ein Mann will heiraten, die Frau nicht, dann trennen sie sich, es kommt ein Dritter dazu, auf den werden all die Probleme projiziert. In Echtzeit würde man sich trennen, dann ein Jahr lang mit dem anderen zusammen sein und dann vielleicht wieder versuchen, in die ursprüngliche Verbindung zurückkommen.

Ist die Situation auf dem Dach typisch für unsere heutige Zeit?
Man macht mit 30 eine erste Bilanz. In dieser Nacht sind die Protagonisten alle an dem Punkt, sich diesen Fragen zu stellen. Das ist allgemeingültig. Diese Wünsche und Vorstellungen sind wahrscheinlich heute noch viel präsenter, als vor ein paar Jahrzehnten. Schließlich können wir ja alles machen, uns steht alles offen. Wir können reisen, tun, was wir wollen. Wir sind unabhängig. Wenn man das aufgibt, was kommt dann?

Wie charakterisieren Sie die Sprache des Stücks? Es wurde von Peca Stefan im Original auf Englisch geschrieben, und von Bernhard Studlar ins Deutsche übersetzt.
Mein erster Eindruck war: eine gute englische Boulevard-Komödie. Das mag ich sehr. Bissige Dialoge, geführt in einem permanent betrunkenen Zustand. Es gibt ja einen bestimmten Pegel, bei dem man gesprächig, gemein und ehrlich wird – zumeist im Freundeskreis. In diesem Fall wird ein Fremder zum Beichtvater. Mit dem entwickeln sie einen Gegenentwurf zu ihrem bisherigen Leben. Der Fremde wirkt wie ein Solo-Cowboy on the road, der selbst eine Lebenslüge mit sich herumträgt.